Kaum eine Kneipe in der Düsseldorfer Altstadt, an der am Sonntagabend nicht das Schild "Alle EM-Spiele live" hing oder vor der ein "Deutschland auf Großleinwand"-Aufsteller stand. Viele Gastronomen haben in den vergangenen Wochen in Großbildfernseher investiert, ist aus dem Elektrofachhandel zu hören. Und scheinbar hat sich die Anschaffung gelohnt.
Sonntag, 16 Uhr, noch fast fünf Stunden bis zum Anpfiff des Spiels der Deutschen gegen Polen. Immer mehr Fans strömen in die Innenstadt - viele in voller schwarz-rot-goldener Montur. Die besten Plätze vor den Großbildleinwänden an den Kasematten sind bereits belegt - und auch im Füchschen auf der Ratinger ist es bereits recht voll. Einige Fans legen, sobald sie einen Platz gefunden haben, letzte Hand an: Deutschlandfahnen werden auf die Backen gemalt oder geklebt, eine Frau lässt sich schwarze und rote Farbe auf ihre goldblonden Haare sprühen. Unter die Deutschen mischen sich auch kroatische, österreichische und polnische Fans. Doch die Stimmung ist friedlich-fröhlich.
Ärgern tut man sich in den Kasematten nicht über Fans anderer Nationalmannschaften, sondern höchstens über einen Wirt, der pünktlich um 17 Uhr die Karten austauschen lässt. Plötzlich gibt es nur noch Halbliter-Gläser. "Das ist schon krass", findet die 19-jährige Jessica Falkenberg, die mit ihren Mädels nach Düsseldorf gekommen ist, "von einer Minute auf die andere kostet plötzlich alles fast einen Euro mehr". Schade findet Jessicas Freundin Kristina, dass es auf den Rheinwiesen auf der gegenüber liegenden Seite des Stroms kein Public Viewing gibt. "Da ist doch auch immer Kirmes - da hätte man doch auch wunderbar eine Leinwand aufbauen können", findet die 20-Jährige.
Doch am Ende sind alle versöhnt - Lukas Podolski sei Dank. Nur die polnischen Fans sehen nicht wirklich glücklich aus. "Wir hatten genau so viele Chancen wie die Deutschen", findet Thomasz. "Das hätte auch anders ausgehen können", sagt er - und bestellt sich noch ein Frust-Bier. "Dann halt im nächsten Spiel..." Die Deutschen hingegen feiern. Zwei Minuten nach dem Abpfiff fahren bereits die ersten Autokorsi durch die Stadt. EM 2008 - das Sommermärchen ist zurück.
Von Philipp Oeller






