Als Zeuge der jahrhundertealten Schifffahrttradition auf dem Rhein fasziniert das Segelschiff "Helena", das bis in seine Details dem Erbauungszustand des Jahres 1875 entspricht. Den Neuss-Düsseldorfer Häfen gelang es, dieses schwimmende Denkmal nach Düsseldorf zu locken; das SchifffahrtMuseum Düsseldorf organisiert Führungen für jedermann und geschlossene Gruppen.
1875 wurde von der Schiffswerft Jonker in Kinderdijk die Aak "Helena" auf Kiel gelegt. Der Schiffstyp der Aak entwickelte sich aus einem kleinen Holzschiff, das auf Werften an der Lippe gebaut wurde. Bis ins 16. Jahrhundert wurde es zu "dem" Frachtschiff der niederrheinischen Schiffer, die auf der Strecke von Köln bis in die Küstenstädte fuhren. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts übernahmen die niederländischen Schiffsbauer den charakteristischen Bug der Aak in ihre Schiffsbautechnik. Trotz der Konkurrenz der Dampfschifffahrt und der zunehmenden Behinderung durch neue Brücken wurden noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts alte Schiffstypen wie die Aak gebaut, nun allerdings nicht mehr aus Holz, sondern aus Eisen. Von den etwa vierzig eisernen Aaken blieb nur die "Helena" erhalten. So stellt diese Aak, die speziell für die Rheinschifffahrt entworfen wurde, das Ende einer langen Tradition dar.
Das erste Rheinpatent von 1876 erlaubte dem Schiff die Fahrt von Rotterdam bis nach Straßburg. Vielfach transportierte die "Helena" Kohle in die Häfen der Niederlande. Die Bergfahrt war nicht immer allein mit Segeln möglich: Ein Treidelvorspann oder die modernen Dampfschiffe halfen bei Windflauten aus. Schwierig stellten sich ebenso die Brückenpassagen dar: Der 21 Meter hohe Hauptmast musste immerfort niedergelegt werden, weil die neueren Brücken nur mindestens 13 Meter Höhe aufweisen mussten. Die "Helena" segelte in ihrem Originalzustand bis 1911. Dann wurde sie verkauft und umgebaut: Die mittschiffs angeordnete Schifferwohnung (Roof) wurde zugunsten weiteren Laderaums nach hinten versetzt. Für den Antrieb sorgte nun hauptsächlich ein Schubschiff. Umbenannt in "Antonius Maria", fuhr die Rheinaak bis in die 50er-Jahre. Eine Havarie ließ sie sinken. Nach ihrer Bergung diente sie lange Jahre als Lastschiff in den Häfen von Rotterdam. Nunmehr auf den Namen "Argus" getauft, gehörte sie 1979 endgültig zum "alten Eisen" und kam zum Abwracker.
Die Rettung der "Helena"
Der Abwrackunternehmer konnte sich jedoch nicht entschließen, dieses Schiff dem Untergang zu weihen. Er ließ es fast zehn Jahre liegen, bis es auf Initiative des Schiffsrestaurators Bart Vermeer durch die Stiftung "Het Rotterdamse Zeilschip" nach gründlicher Bestandsaufnahme weitgehend authentisch restauriert werden konnte. Dazu gehörte das sachgerechte Schmieden und Nieten ebenso wie die Wiederherstellung des Roofs und des ursprünglichen Segelwerks. Diese Anstrengungen der Initiatoren und vieler Helfer brachten dem Schiff den Denkmalstatus des niederländischen Kulturministeriums (Institut Collectie Nederland) ein. Im Mai 2003 konnte die "Helena" wieder in See stechen. Heute ist sie als einziges Segelschiff zur Fahrt auf allen europäischen Binnengewässern – und damit auch auf dem Rhein – berechtigt.
Als schwimmendes Denkmal soll sie von ihrem Heimathafen Rotterdam aus einem breiten Publikum präsentiert werden und dabei möglichst auch ihre wirtschaftliche Existenz sichern. So konnte neben den museal belassenen Räumen der Schifferwohnung im ehemaligen Frachtraum eine mit dem Denkmalstatus verträgliche Möglichkeit für die Bewirtung von Gästen geschaffen werden: Der Einbau einer offenen Einheit aus Kombüse, Toiletten, Bar und Bestuhlung für etwa 40 Gäste ließ den ehemaligen Frachtraum mit allen Nietenkonstruktionen sowie die hölzernen Luken und Dielen unangetastet. Eine ständige Ausstellung an Bord illustriert die Geschichte des historischen Zweimasters und seine schwierige, doch sehr gelungene Restaurierung.
Besichtigungsmöglichkeiten in Düsseldorf
Das Schiff liegt von Mittwoch, 19. Mai, bis Montag, 24. Mai, am Düsseldorfer
Altstadtufer (Höhe Pegeluhr) und kann öffentlich in Gruppen bis maximal 40 Personen besichtigt werden. Die Organisation übernimmt das Team des SchifffahrtMuseums im Schlossturm (Ansprechpartnerin: Dr. Annette Fimpeler, Telefon 89-96165). Die zweistündige Erkundungstour beginnt im Schlossturm auf dem Burgplatz: Mit Panoramablick aus dem obersten Geschoss des Turmes –
der "Laterne" – wird kurz in die Geschichte der Segelschifffahrt und des
Schiffstyps Aak eingeführt. Anschließend begrüßt die Schiffscrew an Bord und macht mit der "Helena" bekannt: Schiffsbaugeschichte und Technik werden greifbar, originalgetreu erhaltene Räume im Rumpfinneren lassen die Lebensumstände auf alten Rhein-Segelfrachtern lebendig werden, vorgetragene Nachrichten aus vergangenen Zeiten vermitteln die gefahrvolle Arbeit der Segelschiffer: bei Unwettern, Eisgang, den mühsamen Pferdezügen oder Schiffbruch.
Öffentliche Führungen werden angeboten am 20. Mai (14 Uhr), 21. Mai (10 Uhr), 22. Mai (11 und 15 Uhr), 23. Mai (11 und 15 Uhr). Die Teilnahme kostet sieben Euro, ermäßigt 3,50 Euro (für Kinder unter 14 Jahre). Darüber hinaus sind am 22. und 23. Mai Abendveranstaltungen für geschlossene Gruppen möglich (ab 25 Personen, Führung mit rustikalem Rheinschiff-Buffet inklusive Getränke, Kosten: 42 Euro pro Person). Kartenvorverkauf: SchifffahrtMuseum im Schlossturm, Burgplatz 30, dienstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr (Information: Telefon 89-94195).
Alter Rheinsegler ankert mehrere Tage in Düsseldorf

Die "Helena" bleibt bis zum 24. Mai in Düsseldorf. Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf



